| Frage 1: | Dass der Verkehr Kosten verursacht, z.B. im Klima- oder Lärmbereich, mag ja sein, aber diese Kosten braucht man ihm doch nicht anzulasten, denn Verkehr verursacht einen großen Nutzen für die Volkswirtschaft. Im Vergleich dazu sind doch die externen Kosten kaum erwähnenswert? |
Verkehr ist das "Schmiermittel" unserer Gesellschaft. Ohne ihn wäre ein Leben, wie wir es heute führen, undenkbar. Der Nutzen von Verkehr ist daher ohne Frage groß, niemand wird daran zweifeln. Allerdings kommt dieser Nutzen im Gegensatz zu den externen Kosten in der Regel denjenigen zugute, welche ihn verursachen: Hat z.B. ein Unternehmen durch den Bau einer neuen Autobahn geringere Transportkosten, so kann es seine Produkte billiger anbieten, es hat einen größeren Einzugsbereich für Arbeitskräfte, Inputs und Outputs etc. Es handelt sich hierbei um interne Nutzen. Analog dazu gibt es interne Kosten wie z.B. die Kosten des Fahrzeugerwerbs. Der Markt funktioniert hier, staatliches Eingreifen ist nicht notwendig.
Für staatliche Eingriffe interessant sind hingegen Bereiche, wo das nicht so ist - eben die externen Effekte. Denn hier funktioniert der Markt nicht richtig. Wir hatten gesehen, dass es Kosten gibt, die in den Marktpreisen nicht enthalten sind, sondern von anderen gezahlt werden. Die Frage ist nun, ob es auch externe Nutzen gibt, welche die Verkehrsteilnehmer zwar verursachen, die ihnen aber nicht zugute kommen. Ausschließlich solche externen Nutzen können den externen Kosten gegenübergestellt werden. Untersucht wurde diese Frage in der Wissenschaft von verschiedenen Autoren mit dem Ergebnis, dass es durchaus einige externe Nutzen gibt. Beispiele sind die Freude, die man beim Anblick schöner Fahrzeuge empfindet, oder das verminderte Leid Angehöriger, wenn durch einen gut ausgebauten Rettungsdienst Verletzten umgehend Hilfe zuteil und die Verletzungsschwere dadurch vermindert wird.
Das Ausmaß dieser externen Nutzen ist aber im Vergleich zu den externen Kosten so gering, dass sie in den Rechnungen ohne Probleme vernachlässigt werden können. Dass das so ist, ist auch nicht weiter erstaunlich. Denn es ist nur menschlich, dass man versucht, alle Nutzen zu internalisieren (selber zu haben), die Kosten aber wenn möglich anderen aufzubürden, sprich zu externalisieren.
Interne Nutzen kommen den verursachenden Verkehrsteilnehmern zugute, eine Entschädigung durch den Staat ist nicht notwendig. Interne Nutzen und externe Kosten dürfen demnach nicht gegeneinander aufgerechnet werden, das ist aus volkswirtschaftlicher Sicht so, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen.
| Frage 2: | Aber selbst wenn es externe Kosten gibt, so scheitert die Internalisierung doch daran, dass man diese gar nicht so genau berechnen kann? |
Es stimmt, dass man die meisten Komponenten der externen Kosten mit keinem der genannten Verfahren exakt bestimmen kann. Möglich ist aber die Angabe von Untergrenzen, indem man einen Wert bestimmt, über dem die tatsächlichen Kosten mit Sicherheit liegen, sowie von Bandbreiten, indem man Unter- und Obergrenze angibt, zwischen denen die wahren Werte liegen. Diese Angaben sind für die Internalisierung durchaus ausreichend. Denn selbst, wenn man den konkret zu internalisierenden Betrag nicht kennt, so kann man trotzdem Maßnahmen ergreifen, welche die vorsichtig geschätzten externen Kosten zumindest verringern.
Und - für Nichtschwimmer ist es auch nicht wichtig, ob das Wasser, in das er springt 3 oder 20 Meter tief ist. Wichtig ist, dass er stehen kann.
In keinem Fall sollte Exaktheit vorgetäuscht werden durch die Angabe übergenauer Ergebnisse mit vielen Kommastellen. Vor allem, wenn die Anwendung der Ergebnisse durch viele verschiedene Nutzergruppen beabsichtigt ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass nicht alle Nutzer die der Ermittlung der externen Effekte zugrundeliegenden Methoden und Annahmen kennen. In diesem Fall ist es besonders wichtig, das Problem der Unsicherheiten gut zu kommunizieren.
| Frage 3: | Aber durch die Internalisierung der externen Kosten würde Verkehr teurer werden und sozial Schwache könnten ihn sich nicht mehr leisten. Ist das nicht unsozial? |
Die Beantwortung dieser Frage hängt von der Verwendung der Internalisierungseinnahmen ab. Einen großen Teil der externen Effekte bezahlen wir ja auch heute. So werden z.B. die Unfallkosten hauptsächlich durch die Krankenkassen übernommen. Für die Lärmfolgen zahlt der Steuerzahler, wenn mit Mitteln der öffentlichen Hand Schallschutzfenster oder Lärmschutzwände gebaut werden. Man könnte demnach an anderer Stelle Beiträge oder Steuern senken. Verkehr würde sogar sozialer werden, denn die Preise wären gerechter. Es würde ja tatsächlich derjenige zahlen, der Kosten verursacht.
Zudem würde die Nähe aufgewertet, wenn Verkehr teurer wird: Der kleine "Tante-Emma-Laden" um die Ecke würde sich wieder lohnen. Diese Nähe würde es sozial Schwachen, die sich vielleicht auch heute schon kein Auto leisten können, ermöglichen, ihre Bedürfnisse besser zu befriedigen, weil die dafür notwendigen Gelegenheiten einfach wieder näher sind. Oder - weil sie die Gelegenheiten besser erreichen, denn der Öffentliche Verkehr würde von einem teurer werdenden Autoverkehr mit Sicherheit profitieren. Er könnte von den Einnahmen gefördert werden und wäre zudem besser ausgelastet, würde sich also auch besser rechnen.
Fragen und Antworten zu den Kosten von Verkehr